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So wachsen Bio-Bananen!
Eine kleine Einführung zum großen Unterschied - für Liebhaber und Ungläubige
Neun Monate braucht sie eigentlich so ziemlich immer: Vom Pflanzen bis zur Ernte des ersten dicken Fruchtstandes lässt sich daran weder in giftberieselten Plantagen, noch unter der natürlichen Pflege eines Bio-Bauern etwas ändern.
Obwohl Bananen als Teile eines Pflanzenbestandes im Wald, als traditionelle Schattenspender in Kaffeeplantagen oder auch in dichtgedrängten Plantagen, viele Jahre an der gleichen Stelle stehen, handelt es sich nicht um eine mehrjährige Pflanze: Jedes Jahr entstehen mehrere Seitentriebe, von denen dann die ein bis zwei kräftigsten für die nächste Ernte stehen bleiben dürfen, Die anderen werden abgehauen, um wieder ein kräftiges Bananenbüschel von 20 Kilo und mehr ernten zu können.
Ohne Chemie keinen Bananen?
Die gelbe Krummfrucht steht im Ruf, bei ihrer der Produktion besonders schutzbedürftig und hungrig zu sein: Plantagenexperten reden denn auch davon, dass es ohne verschiedenste chemische Spritz- und Düngemittel gar nicht möglich sei, Bananen anzubauen. Für die intensive Plantagenwirtschaft, etwa im feuchtwarmen Klima Costa Ricas, stimmt das allerdings: Dort stehen dicht gedrängt bis zu 2.500 Pflanzen auf einem Hektar – da kaum ein Lüftchen für Trockenheit sorgt, sind das die idealen Bedingungen für das Pilzwachstum. Deshalb werden gegen gelbe und schwarze Sigatoka, sehr aggressive Pilzkrankheiten, alle zwei Wochen hochgiftige Fungizide aus dem Flugzeug abgeregnet.
Da dieser massive Pflanzenbestand extrem hungrig ist und schon wegen der hohen Produktionskosten maximale Ernten herausgeholt werden müssen, wird entsprechend massiv Kunstdünger eingesetzt. Der Boden, der wegen des ständigen Schattens keinen Unkrautwuchs mehr kennt, versauert und sieht oft grün aus vom Algenwachstum: Leben findet sich in diesen verdichteten Gassen zwischen den Bananen nicht mehr, nur noch die Würmer, denen die Wurzeln gar zu gut schmecken, genannt Nematoden. Sie sind so aktiv, dass in kurzer Zeit viele der schwachbewurzelten Treibkreaturen einfach umkippen würden, also ist die nächste chemische Keule angesagt: Ein Mittel gegen Nematoden (Nematizid)muss gespritzt werden. Und um für den Verbraucher die Optik zu erhalten, wird die Banane dann noch in eine Plastiktüte verpackt, die mit einem weiteren Chemiecocktail beschichtet ist, z.B. um den Schädling Thrips abzuhalten, der sonst schwarze Pünktchen auf der Schale verursacht.
So werden Bananen „normalerweise“ heutzutage erzeugt. Die Folgen sind unkalkulierbar, aber nicht unbekannt. So gibt es unter den Arbeitern in den großen Plantagen in Costa Rica, Ecuador und anderswo, in denen ‚das volle Programm’ gefahren wird, zahlreiche Fälle von Sterilität und Blutkrankheiten.
Bananenerzeugung ohne Chemie – zwei Beispiele für den anderen Weg:
1. Bio-Bananen aus dem Regenwald in Costa Rica
An sich ist normal etwas anderes: Bäuerlicher Bananenanbau, wie es ihn in vielen Ländern der Welt, z.B. in Costa Rica oder in der Dominikanischen Republik und anderen Gegenden gibt, ist schon deshalb immer ohne Chemie betrieben worden, weil es nicht um Massenproduktion geht und diese Menschen in aller Regel gar nicht das Geld haben, sich die Gifte zu kaufen – ein guter Einstieg in eine Bio-Produktion ohne pausenlose Spritzerei und Düngerstreuerei!
Was ist nun charakteristisch für den kontrolliert-ökologischen Anbau von Bananen? Worin liegen die Unterschiede und was gibt Verbrauchen die Sicherheit, dass sie nicht betrogen werden?
Die einfachste Form der Bananenerzeugung findet im Wald statt. Beispiel: der tropische Regenwald im Südosten von Costa Rica. Dort stehen auf einem Hektar nur höchstens 400 Bananenpflanzen als
ein Element der gesamten Pflanzengemeinschaft. Diese Bauernfelder liegen fernab der Chemieplantagen: Der Chemie sprühende Giftbomber könnte hier schon wegen der hohen Bäume nicht eingesetzt werden: Nicht einmal aus der Nachbarschaft können Chemiespuren angeflogen kommen.
Problem Sigatoka? Gibt es nicht, denn im Schatten hat sie keine Chance sich zu bilden! Jeder Kleinbauer lernt das von Kindsbeinen an. Problem Nematoden? Nicht vorhanden, denn durch den Laubfall und die enorme organische Masse im Boden finden sie nicht Ihre Lebensbedingungen! Problem Thrips? Nicht auszumachen, einfach nicht da! Die Banane lebt in einem ökologischen Gleichgewicht, in dem Schädlinge von ihren natürlichen Feinden kontrolliert werden und die Krankheiten der Intensivplantagen ganz schlicht nicht auftauchen.
Logisch: ‚Riesentrümmer’ an Bananenbüscheln mit bis zu 60 Kilo oder gigantische ‚Plastik-Krummstengel’ bis 25 cm Länge reifen da nicht heran! Ein Fruchtstand wiegt selten mehr als 30 Kilo und die Einzelfrucht ist eher zierlich. Das ist kein Problem, denn diese Früchte werden zu Püree verarbeitet. Sie müssen auch nicht unter Plastik reifen, denn die Optik ist uninteressant: Im Brei, im Babygläschen sieht man nichts mehr von einer gesprenkelten Schale... Klasse statt Masse heißt hier die Devise: Hauptsache, Inhaltsstoffe, Geschmack und Freiheit von Schadstoffen sind gesichert: Was nicht gespritzt wird, ist nicht drin! Dass bei niedrigerer Erzeugung der Bauer für seine Sorgfalt höher entlohnt werden muss, ist nur logisch und wird gern akzeptiert, wenn man an die andere Art denkt, Bananen herzustellen...
2. Bio-Bananen aus der Dominikanischen Republik
Schon nicht mehr ganz so einfach läuft die Erzeugung von Bio-Bananen in bäuerlichen Plantagen ab, wie man sie etwa in der Dominikanischen Republik vorfindet. Dort stellt das Klima bestimmte Bedingungen her, die Öko-Bananen begünstigen, aber geschenkt bekommen die Bauern dort auch nichts. Sie müssen pausenlos der ganzjährig tragenden Staude auf die Blätter schauen und auf die Hände – so nennt man die vom Büschel abgeschnittenen Bananen - helfen: Hier gibt es keinen schützenden Wald und nicht die annähernd 6.000 mm Jahresniederschlag, die man in Talamanca (Costa Rica) geschenkt bekommt! Hier greifen Sigatoka und Trockenheit an und düngen muss man auch regelmäßig. Aber auch all’ das passiert auf natürliche Weise, denn gegen alles ist ein Kräutlein gewachsen und organischer Dünger ist verfügbar.
Die Bananenpflanze ist ein prall mit Wasser gefüllter Stengel und jederzeit hoch dankbar für Wasser. Wenn es nicht von oben kommt, muss man bewässern. So in der Dominikanischen Republik, wo in den Öko-Bananengebieten teilweise nur 200 mm Wasser im Jahr herabregnen. Glücklicherweise gibt’s meistens genug Grundwasser, sodass der durstige Prallstamm sich immer wieder vollsaugen kann und seine großen Blattwedel nicht schlaff werden. Zum Düngen wird sorgfältig aus verschiedenen natürlichen Bestandteilen – hauptsächlich Mist verschiedener Tiere und sonstige organische Masse – nach einem in Japan entwickelten Rezept ein fermentierter Dünger hergestellt, der hochwirksam ist und zugleich das Bodenleben fördert: So wird – zusammen mit dem von Hand abgeschnittenen Unkraut und den welken, entfernten Blättern - der Humus aufgebaut und die natürlichen Feinde der Nematoden haben ihren festen Platz. Nematoden sind so in Bio-Plantagen ein höchst nebensächliches Problem, auch, weil diese Bananen, bedingt durch den organischen Dünger, ein besser entwickeltes Wurzelwerk haben. Umgefallene Stauden findet man kaum einmal.
Die Sigatoka ist auch hier ein echtes Problem und die Wissenschaft, einbahnstrassig eingefahren auf Chemieanwendung, hat diese Bauern mit der biologischen Kontrolle dieser Krankheit alleingelassen. Das fördert die Kreativität: Man fand, dass sich aus Grapefruitsamen ein hochwirksames Fungizid (Pilzbekämpfungsmittel) herstellen lässt – und gegen Insekten hilft ein Öl, das man aus einem lokalen Baum, dem Neem, gewinnt. Wenn man den Bananen, die nicht ganz so dicht gepflanzt werden, dann noch stickstoffsammelnde Pflanzen zur Seite stellt – für alte Plantagenanhänger eine unvorstellbare, revolutionäre und schlicht „unmögliche“ Sache – strotzen die Pflanzen nur so vor Gesundheit. Es bildet sich ein Gleichgewicht, ein Ökosystem, ähnlich dem im Wald, und den Thrips z.B. sucht man vergeblich... Viele Lösungen stehen so zur Verfügung, um die angeblich absolut nötigen Gifte schlicht weglassen zu können.
Da diese Bananen als Frischfrüchte verkauft werden, müssen sie - selbst für überzeugte Bio-Kunden - ‚schön’ sein. Man verpasst ihnen also auch Plastiktüten, um sie vor mechanischen ‚Macken’ zu schützen: Schon ein Blatt, das der Wind immer wieder gegen die Frucht schlägt, verursacht z.B. schwarze Striemen, die den Verbraucher vom Griff nach der unschönen Frucht abhalten. Der große Unterschied: Diese Plastiktüten tragen keinerlei Beschichtung mit Insektiziden oder Fungiziden. Nach Gebrauch werden sie eingesammelt, gepresst und dem Recycling zugeführt. Gegen die Kronenfäule wird bei ‚Chemiebananen’ vor dem Einpacken nochmals ein chemisches Fungizid aufsprüht – Biobananen werden auch da wieder mit natürlichen Mitteln vor dem Pilz geschützt.
Klar auch hier: Mehr Arbeit und geringerer Ertrag haben ihren Preis – und wenn Verbraucher genau diese Produkte wollen, wie die ständig wachsende Nachfrage belegt, weil sie gelernt haben, etwas weiter zu denken und mit in die Verantwortung zu gehen, dann zahlen sie gern ein paar Pfennige mehr!
Vertrauen ist gut – ist es berechtigt?
Die Theorie klingt schön und gut. Wie sind aber Verbraucher vor Betrug geschützt? Von wem und wie wird all das kontrolliert? Wie wird „in solchen Bananenrepubliken“ abgesichert, dass nicht sämtliche Augen zugedrückt werden bei der Kontrolle und Bio-Zertifizierung?
Will ein Händler Bio-Bananen oder –Püree importieren, muss er bei der hier zuständigen Behörde einen Antrag stellen und die Bio-Gleichwertigkeit nachweisen. Die Behörde prüft genau, ob beim Anbau, bei der Kontrolle und bei der Überwachung der Kontrolleure alles so zugegangen ist, wie das hier vorgeschrieben ist. Namhafte europäische Öko-Kontrollstellen haben deshalb in den genannten Ländern seit Jahren Büros eingerichtet, weil man vom Schreibtisch aus Deutschland nichts garantieren kann. Verantwortungsbewusste Import-Firmen für Bananenpüree oder Frischbananen haben in diesen Ländern investiert und verlassen sich nicht auf Zufälle: Ausgeklügelte und wohlfunktionierende Qualitätssicherungssysteme greifen und ihr Funktionieren ist durchgängig dokumentiert.
Die Kontrolle erfolgt nach den Vorschriften und Grundsätzen der europäischen Gesetzgebung in Sachen Bio. Danach muss jeder Bauer mindestens einmal pro Jahr besucht werden. Meist wird dieser Grundsatz deutlich übertroffen: Bei den Frischbananen-Erzeugern sind die lokalen Inspektoren jeden Monat vor Ort und Aufsicht aus Europa gibt’s etwa alle zwei Monate. Bei den Kleinbauern im Regenwald wurde ein internes Kontrollsystem eingerichtet, das ständig näher dran ist. Die internen Kontrolleure besuchen jeden Kleinbauern zur Inspektion und ihre Aufzeichnungen werden von den Inspektoren des Zertifizierers kontrolliert; daneben führen diese selbst auch Stichprobenkontrollen direkt bei den Bauern durch. Dass dieses engmaschige Kontrollsystem greift, zeigt die Tatsache, dass immer wieder einige ‚besonders Schlaue’ erwischt werden. Sie werden kompromisslos ausgeschlossen: Verbraucherschutz geht vor!
Neben dieser Arbeit der Kontrollinstitute, der Aufsicht der Behörden in den Ländern selbst und anschließend hier, gibt es aber noch ein wichtiges weiteres Vehikel, Verbraucher vor dem zu schützen, was sie genau nicht haben wollen und wofür sie mehr zahlen: Laboranalysen! Hier werden auch die allerkleinsten Spuren von Rückständen und Belastungen gnadenlos entdeckt – und konsequent ausgeschlossen.
Bio-Bananen ohne Chemie sind längst eine Wirklichkeit! Darauf kann man/frau sich verlassen!
Peter Grosch, im September 2001
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